Agnes, Autriche

 

Agnes, österreichische Studentin, hat 8 Monate als Au-Pair in Biarritz verbracht und erzählt uns von ihrem wunderschönen Aufenthalt...

 

1) Agnes, erzähle uns ein deinen Werdegang bitte.

Ich wurde in Wien geboren und bin hier aufgewachsen, habe hier maturiert und auch mein Studium begonnen.

2) Wieso hast du dich entschieden, Au-Pair zu machen?

Aus verschiedenen Gründen: ich wollte mein Französisch verbessern, gleichzeitig eine Auszeit vom Studium nehmen und einmal etwas „Anderes“ machen.

3) Wie hast du deine Familie gefunden, welche Auswahlkriterien hattest du?

Ich habe lange überlegt, wie ich eine passende Gastfamilie finde: auf eigene Faust vs. Agentur. Gegen eine Agentur sprach für mich u.a., dass man zumeist eine Vermittlungsgebühr zahlen muss - für eine Agentur, dass man so sehr viel weniger organisatorischen Aufwand hat, gewisse Rahmenbedingungen (Taschengeld, Urlaub, Aufgaben,...) vorgegeben sind und man auch Familie wechseln kann, falls man das möchte. Ich kann die Agentur Aupair4you (http://www.au-pair4you.at) nur weiterempfehlen. Meine Auswahlkriterien waren eigentlich recht simpel: ich wollte maximal auf 2 Kinder im Alter von 5-12 aufpassen und nach Möglichkeit sollte die Gastfamilie in Südfrankreich wohnen.

4) Kannst du uns einen typischen Arbeitstag von dir beschreiben? Welche Tätigkeiten hast du übernommen?

Ich musste immer dann auf die Kinder aufpassen (sie mit dem Auto von der Schule abholen, gemeinsam Hausübung machen, mit ihnen spielen) und für sie kochen, wenn die Mutter der Gastfamilie arbeitete. Allerdings hat sie eher selten am Nachmittag gearbeitet und ihre Freizeit eigentlich immer mit ihren Kindern verbracht – somit hatte ich auch Freizeit. Am Haushalt habe ich mich freiwillig beteiligt, die Gastfamilie hat mir keine Vorschriften gemacht.

5) Wie war deine Beziehung zur Familie und den Kindern?

Wir hatten wirklich eine super Beziehung zueinander. Mit den Kids habe ich mich echt gut verstanden, es war als wäre ich ihre große Schwester. Und auch mit den Eltern der Gastfamilie bin ich super ausgekommen. Sie waren total locker, aufgeschlossen und haben mir sämtliche Freiheiten gelassen. Am Anfang hatte ich etwas Bedenken, wie das wohl sein würde, wieder in einer Familie zu wohnen, nachdem ich inzwischen doch 2 Jahre allein gewohnt hatte, allerdings war die Familie so unkompliziert und nett, dass diese Bedenken bald verflogen sind. Ich habe mich wirklich sehr wohl bei ihnen gefühlt.

6) Welche Voraussetzungen muss man als Au-Pair mitbringen? Muss man Kinder abgöttisch lieben?

Ich glaube nicht, dass es notwendig ist, Kinder abgöttisch zu lieben - man sollte aber dennoch ein gewisses Interesse mitbringen, sich mit ihnen zu beschäftigen und mit ihnen Zeit zu verbringen, ansonsten ist Aupair wohl nicht die richtige Wahl.
Ich halte es für wichtig, dass man einen netten Umgang mit Kindern hat, geduldig ist und sich aber auch durchsetzen kann, wenn sie die Grenzen austesten wollen.

7) Was hast du in deiner Freizeit gemacht?

Meine Freizeit habe ich immer, wenn es das Wetter erlaubt hat, am Strand verbracht. Ich war oft mit meinen Freunden surfen, manchmal sind wir auch einfach nur stundenlang in irgendwelchen wunderschönen Strandcafés gesessen und haben uns „wie Gott in Frankreich“ gefühlt. Außerdem sind wir oft am Abend gemeinsam fortgegangen oder in benachbarte Städte gefahren (z.B. Hossegor oder San Sebastian). Es war einfach eine unglaublich gute Zeit.

8) Was war dein schönstes Erlebnis im Laufe deines Aufenthaltes?

Oh da gibt es viele :) Aber eine Sache, die mich gewissermaßen ziemlich stolz gemacht hat ist, dass ich mit der Zeit immer öfter für eine Französin gehalten wurde. Einmal hat mich ein Typ richtig angeschnauzt, dass ich gefälligst aufhören solle zu versuchen, den österreichischen Akzent nachzumachen, weil ich das erstens nicht besonders gut könne und mir das zweitens als ganz offensichtliche Französin sowieso keiner abnehmen würde. Ich erinnere mich noch gut, dass gegen Ende meines Aufenthalts manche richtig verdutzt waren, wenn ich ihnen auf die Frage, woher ich denn sei, nicht mit dem Namen einer französischen, sondern einer österreichischen Stadt geantwortet habe. Das hat mir wirklich sehr viel Selbstvertrauen in Bezug auf meine Sprachkenntnisse gegeben und mich motiviert, noch mehr zu lernen.

9) Welchen Nutzen hatte/hat dein Au-Pair-Erlebnis für dich (gehabt)? Warum würdest du es weiterempfehlen?

Abgesehen davon, dass ich meine Französischkenntnisse ganz stark verbessert habe, habe ich einen wunderbaren Einblick in eine andere Lebensweise bekommen und bei einer sehr, sehr netten Gastfamilie gewohnt, bei der ich mich wie Teil der Familie gefühlt habe. Ich hatte die unglaubliche Gelegenheit, 8 Monate am Strand zu wohnen, surfen zu lernen und mir einen großen, internationalen Freundeskreis aufzubauen – kurzum würde ich sagen, dass ich Frankreich wohl von seiner schönsten Seite kennenlernen durfte.

10) Wie kann man sich am Besten auf sein Au-Pair vorbereiten, welche (praktischen) Tipps hättest du für Interessierte?

Vor allem würde ich empfehlen, sich gut zu überlegen, ob man wirklich bereit ist, alles „Vertraute“ (Familie, Freundeskreis, Uni/Schule, Wohnung, Stadt, etc. und vor allem die Sprache!) zu verlassen oder ob einen schon beim bloßen Gedanken daran das Heimweh plagt. Mich hat in Wien vor allem das Fernweh geplagt, außerdem hatte ich in vielerlei Hinsicht sehr viel Glück und so war es für mich nicht besonders schwer, 8 Monate durchgehend in Biarritz zu verbringen – die Rückkehr nach Wien ist mir dafür sehr schwer gefallen.

11) Was hätte noch besser sein können (Organisation?)?

Ich hätte gerne etwas früher gewusst, in welche Region und zu welcher Familie ich komme. Fixiert wurde das nämlich erst 3 Wochen vor der geplanten Abreise.

12) Was sind deine Zukunftspläne, was steht als nächstes an?

Ich möchte am Liebsten so schnell wie möglich wieder nach Frankreich, am Besten für längere Zeit. Vorerst werde ich in Wien meinen Bachelor in Französisch machen und das Studium Transkulturelle Kommunikation beginnen. So kann ich meine Vorliebe für Sprachen zum Studiengegenstand machen.