Wie in allen entwickelten Ländern, ist auch in Frankreich das öffentliche Hochschul- und Forschungswesen international sehr aufgeschlossen. Das Ausmaß der internationalen Zusammenarbeit wird an den französischen Publikationen deutlich - fast die Hälfte ist von einem Partner aus dem Ausland mitunterzeichnet.

Forschung in Frankreich: eine Priorität

Frankreich investiert 2 % des BIP (entspricht ca. 40 Milliarden €) in öffentliche und private Forschung. Man zählt beinahe 70.000 Doktoranden (ein Drittel sind aus dem Ausland) und mehr als 200.000 Forscher, wovon fast die Hälfte in Schulen und Institutionen des öffentlichen Sektors tätig sind.

Angesehene Preise zeichnen die französische Forschung aus

2008 wurden 2 Franzosen, Françoise Barré-Sinoussi und Luc Montagnier, vom Institut Pasteur für ihre Arbeiten über die Entdeckung des Aids auslösenden Retrovirus mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet. Jean-Marie Le Clezio hat 2008 den Literaturnobelpreis gewonnen. Im physikalischen und chemischen Bereich wurden unlängst Georges Charpak, Claude Cohen-Tannoudji, Albert Fert und Yves Chauvin mit dem Nobelpreis geehrt.
Unter den 52 Preisträgern der Fields-Medaille sind 11 Franzosen, darunter Cédric Villiani und Ngo Bao-Chau, die 2010 nach Laurent Lafforgue und Wendelin Werner ausgezeichnet wurden.
Der Abel-Preis, der seit 2003 ausschließlich an Mathematiker vergeben wird, wurde schon dreimal an Franzosen vergeben: Jean-Pierre Serre, Jacques Tits und Misha Gromov.

Das Doktorat

Mehr als 300 „Ecoles doctorales“, die von 62 000 wissenschaftlichen Mitarbeitern (enseigants-chercheurs) geleitet werden und eng mit mehr als 1200 Forschungslaboren zusammenarbeiten, garantieren eine auf Forschung ausgerichtete Ausbildung.

Die Ausbildung erfolgt innerhalb einer Forschungsgruppe (UR: unité de recherche, die in Verbindung zu einer „Ecoles doctorales“ steht [ED: Ecole doctorale]) und unter der Kontrolle und Verantwortung eines Doktorvaters. Die „Ecoles doctorales“ gehören meistens zu Universitäten und versammeln Forschungsteams rund um wissenschaftliche Themen.

Ungefähr 10 000 Thesen werden jedes Jahr in Frankreich unterstützt, außerdem nimmt der Anteil an ausländischen Doktoranden stetig zu. 

Alle Studenten mit Masterabschluss oder einem gleichwertigen ausländischen Diplom können sich für ein Doktoratsstudium bewerben. Das Studium dauert in der Regel drei Jahre und ermöglicht nach der Einreichung einer Doktorabeit das Erlangen des Doktortitels.

Die Finanzierung einer Doktorarbeit ist oft Vorraussetzung für eine mögliche Inskription in das Doktoratsstudium.

Die "Ecoles doctorales"

Die „Ecoles doctorales“, die unter der Verantwortung der Hochschulen (établissements  d’enseignement supérieur) stehen, versammeln Forschungsgruppen, die die Ausbildung von Doktoranden übernehmen:

  • Sie bieten eine niveauvolle wissenschaftliche Betreuung, eine Vorbereitung auf den Einstieg ins Berufsleben und eine professionelle Ausbildung, die sich an der Vielfalt der Berufe im Forschungsbereich orientiert. 
  • Sie organisieren eine Betreuung für die Vorbereitung und das Verfassen einer Doktorarbeit.

Die Doktoratsstudenten, die an ihrer Gastuniversität angestellt sind, profitieren von den neuen Anordnungen, die den Aufenthalt von ausländischen Wissenschaftlern in Frankreich fördern sollen (Visa und spezielle Aufenthaltspapiere).